Wir kürzen einen 10,3x60R Lauf
Wer mit einer Jagdbüchse umgehängt durch den Wald stapft, kennt das Problem: Ständig bleibt man irgendwo hängen. Oder man hat sich so leise wie möglich zu einer Kanzel vorgeschlichen, nur um dann versehenlich mit dem Lauf irgendwo dagegen zu knallen. Gerade wo Schalldämpfer für die Jagd erlaubt sind – die den Lauf nochmals um 10 und mehr Zentimeter verlängern – wird daher eine Laufkürzung zur attraktiven Option. In Graubünden sind Schalldämpfer auf der Jagd zwar noch verboten, aber auch so ist das Kaliber 10,3x60R mit seiner Standardlauflänge von 68cm in der Regel nicht unbedingt dafür bekannt, aus besonders führigen Büchsen verschossen zu werden. Sind die „Fischrutenläufe“ in Zeiten, in denen relativ leichte Kupfergeschosse mit schnell abbrennenden Pulvern verschossen werden können, noch nötig?
Wir haben es getestet und zuerst mit einer Blaser R8 in 10,3x60R mit Standardlauf die handelsübliche RWS Hit 13g verschossen. Gemessen haben wir eine Geschwindigkeit an der Mündung einen Durchschnittswert von 870 m/s. Dies ergibt jagdlich eingeschossen mit 4cm Hochschuss auf 100m rechnerisch folgende Flugbahn:
Zurück in der Werkstatt wird der Lauf um gut 10cm auf 58cm gekürzt – die Standardlauflänge für viele Kaliber wie etwa .308 Win. oder 9,3x62.
Wie viel Leistung die Patrone verliert, messen wir erneut auf dem Schiessstand: Mit einer gemessenen Durchnittsmündungsgeschwindigkeit von 840 m/s war die RWS Hit 30 m/s langsamer unterwegs. Und was bedeutet dies in der Praxis? Die Flugbahn gibt Aufschluss:
Für den letzten Versuch haben wir den Lauf nochmals um 8cm gekürzt. Mit 50cm Lauflänge ist die R8 deutlich führiger geworden und eines können wir vorweg nehmen: Sie trifft auch mit kurzem Lauf in diesem Kaliber hervorragend, der Präzision hat die Laufkürzung nicht im Geringsten geschadet.
An der Mündung ist die RWS Hit noch gut 800 m/s schnell. Im Vergleich zum Testbeginn hat die Patrone also gut 70 m/s eingebüsst. Die Flugbahn ist dadurch etwas weniger gestreckt, auf die in Graubünden jagdlich maximale Schussdistanz von 200 m bedeutet dies, dass die RWS Hit im Vergleich zum Standardlauf gut 3cm tiefer einschlägt, wie die Flugbahntabelle zeigt. Mit 2400 Joule bringt die aus dem Kurzlauf verschossene Patrone immer noch mehr als genug Energie ins Ziel.
Überwiegen also die Vorteile eines kurzen 10,3x60R-Laufs die geringen Leistungsnachteile? Diese Frage muss jeder für sich selbst beantworten. Zu beachten gilt es, dass die Büchse durch den kürzeren Lauf leichter wird und dadurch bei diesem Kaliber der Rückstoss zunimmt. Wer aber seinen Lauf ohnehin kürzen lässt, kann auch gleich ein Mündungsgewinde für eine schraubbare Mündungsbremse schneiden lassen und hat so auch die Möglichkeit, einen Schalldämpfer zu montieren, sollten diese in Zukunft für die Jagd zugelassen werden.
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